Tag 5: Smartphone-Indianer und Dengue-Mücken

Während der Arbeitsalltag in Santo André immer intensiver und die Vorfreude auf den Turnierstart immer größer wird, ist der Nachrichtenfluss aus der Heimat fast zum Erliegen gekommen. Über eine sehr austauschfreudige what’s-App-Gruppe werde ich zumindest über lokale Ereignisse wie Sturm, Birlikte und Yannick Gerhardt informiert, der Rest der fußballfreien Welt lebt nahezu kontaktlos an mir vorbei. So habe ich beispielsweise nur zufällig mitbekommen, dass ein Formel-1-Rennen stattgefunden hat und – sonst habe ich eigentlich gar nichts mitbekommen.
Der heutige Tag hier stand im Zeichen der Pataxo-Indianer, die vom DFB zum Training der Nationalmannschaft eingeladen wurde.
Bilder sagen mehr als tausend Worte, dessen bin ich mir ja spätestens seit dem Twitter-Bus-Bild bewusst. So ist die Aktion natürlich eine gute Sache für den DFB, am Ende wurde sogar getanzt und für Miroslav Klose anlässlich seines 36. Geburtstages gesungen. Eindruck haben die Pataxos auch hinterlassen, weil sie sich mit den die Journalisten eine Foto-Schlacht lieferten. Da sie technisch bestens ausgerüstet waren und es ein ungewohntes Bild war, von Menschen in Federhüten und Baströcken mit Hightech-Handys fotografiert zu werden, ist die Bezeichnung Smartphone-Indianer entstanden. Sie haben sich über uns viel zu warm angezogene Journalisten wahrscheinlich genauso gewundert. Und über Lukas Podolski, der sich nach dem Training als Fachmann für indigene Tänze herausstellte.

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Im Anschluss wurde aber eifrig darüber diskutiert wurde, ob Oliver Bierhoff und wir Journalisten die Pataxos als Indianer bezeichnen dürfen. Keine einfache Frage, die mangels alternativer Namen und mit Verweis auf die offizielle Namensgebung des Gebiets “Estatuto do Indio” abschließend bejaht wurde.
Durch die fünfstündige Zeitverschiebung bleibt nach den Terminen nur wenig Zeit, um die Redaktion mit Texten zu beliefern, was die Arbeit neben den wackligen Internetverbindungen erschwert.

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Das größte Problem – neben all den Vorzügen – sind aber die Mücken. Trotz Sprays haben sie meine Fußgelenke, Arme und Hände zerstochen. Ich habe hier mal aufgeschnappt, dass jede 500000. Mücke das in der Regel nicht lebensbedrohliche, aber höchst unangenehme Dengue-Fieber überträgt. Es fehlen nicht mehr viele Stiche, um rein statistisch gesehen an der Reihe zu sein – obwohl ich sogar unter einem Mückennetz schlafe.
Ich hatte schon einmal Sorgen vor einer Dengue-Erkrankung, als ich 2011 mit Freunden den Bali-Urlaub unterbrochen habe, um auf die fantastischen Gili-Islands überzusetzen – wie Bahia ein absolutes Dengue-Gebiet. Damals haben wir uns mit Dutzenden Dosen “Off”-Spray gegen die Mücken geschützt. Das Zeug bestand allerdings aus purer Chemie und war so giftig, dass irgendwann reihenweise tote Kakerlaken in und um unsere Hütte herum lagen.
Klingt in der Retroperspektive irgendwie auch nicht viel besser als Dengue, merke ich gerade.
Naja, Robin van Persie ist in Rio am Strand von einem Kite-Surfer erlegt worden. Gefahren lauern eben überall. Und wenns nicht besser wird, starte ich nen Gegenschlag.
Ich bin dann mal Off.

Foto 3 (1)

 

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