Tag 33: Vandalismus zum Abschied

Nachdem am Donnerstag bereits eine kleine Abschiedsparty für nach Rio reisende Kollegen stattfand, hatte ich am Freitag meinen letzten Arbeitstag in Santo André. Als ich meine Arbeit beendet und den letzten Artikel aus dem deutschen Camp in die Redaktion geschickt hatte, stieg ein erhabenes Gefühl in mir empor. Nach fünf Wochen des täglichen Kampfs gegen die Uhr hatte ich es geschafft, der Weg nach Rio ins Maracana war geschafft, der Stress für einen Tag unterbrochen. Um den Redaktionsschluss zu schaffen, hatte ich in Brasilien ja bislang trotz des fünfstündigen Zeitunterschieds ja meist nach der deutschen Uhr gelebt. Das bedeutete, dass ich meine Tage um fünf Uhr begann und von da an gegen die immer schneller werdende Zeit anschrieb. Da es schwer ist, jeden Tag um acht Uhr schlafen zu gehen, führt der Arbeitsrhythmus zu einem nicht zu unterschätzenden Schlaf-Defizit, das mich und meine Kollegen immer mal wieder ziemlich umgeworfen hat.

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Am Freitag aber endete dieser Teil der WM für mich. Ich fuhr glücklich, beschwingt und einfach unglaublich froh mit dem Fahrrad vom Pressezentrum in die Pousada, packte mir meine Badeklamotten, um erstmals zu einem etwas abgelegenen Strand zu fahren, von dem mir Kollegen schon erzählt hatten. Als ich mit Carlos, dem Wirt unserer Pousada, losfahren wollte, machten wir eine überraschende Entdeckung. Unser Auto war Opfer eines fiesen Anschlags geworden. Vielleicht aufgrund des deutschen Sieges gegen Brasilien war in der Nacht jemand auf dem Auto herumgeklettert – und hatte Dach und Motorhaube offensichtlich als Trampolin benutzt. Auf jeden Fall zierten sandige Fußabdrücke und tiefe Beulen unseren Leihwagen.

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Carlos und ich versuchten bestmöglich, mal mit Fingerspitzengefühl und mal mit roher Gewalt, die Dellen auszubeulen, was uns halbwegs gelang. Allerdings kam uns die Innenbeleuchtung entgegen, als wir von innen gegen das Dach schlugen. Naja, wir „reparierten“ alles, so gut es ging und machten uns auf zum etwa zehn Kilometer entfernten Strand.

Es war ein wundersamer Ort und der perfekte Abschluss einer außergewöhnlichen Reise, bevor es am Samstag wieder zum Startpunkt Rio zurückgehen sollte. Einige Kollegen warteten schon und genossen das Panorama: Ein Fluss mündete ins immer wieder über den Strand in einen kleinen See schwappende Meer, dichte Palmen ragten über den Sand und sorgten für eine urige Atmosphäre. Ich schlenderte den Strand entlang und versuchte, das bislang Erlebte Revue passieren zu lassen. Es waren Momente, die mir sehr lange in Erinnerung bleiben werden. Es fiel unheimlich viel von dem Druck ab, der so ein Turnier mit sich bringt. Irgendwann ließ ich mich auf eine Liege fallen, trank ein Bier und genoss einfach den Augenblick. Eine Handlung, die zuletzt aufgrund der doch schon ziemlich irreal hohen Taktung von unvergesslichen Ereignissen doch sehr kurz kam.

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Ich sammelte viel Kraft an diesem Nachmittag, die ich brauchen werde: Das größte Ereignis meiner beruflichen Laufbahn rückt näher. Die Zeit tickt, dieses Mal aber für mich:
Das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft im Maracana steht kurz bevor.

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