Tag 32: Mehr. Geht. Nicht.

Nach einer fast schlaflosen Nacht, in der ich versucht hatte in Worte zu fassen, was eigentlich unbeschreiblich war, kehrte ich nach Porto Seguro zurück, wo ich am Flughafen den letzten Artikel des Tages in die Redaktion schickte. Der tägliche Kampf gegen den Redaktionsschluss der ersten Ausgabe – der immerhin bereits um 14 Uhr Ortszeit erfolgt und mir somit eine mittlerweile fünf-wöchige Nachtschicht beschert – war geglückt.

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Ich nahm die guten Wüsche der Flugzeug-Crew für das Endspiel entgegen und machte mich im Leihwagen auf den Weg nach Santo André, um mir in Ruhe das zweite Halbfinale anzuschauen. Da ich viele Monate in Argentinien verbracht habe und noch immer die melodisch wunderschönen und mit Herzblut vorgetragenen Fan-Gesänge im Ohr habe, konnte ich ganz gut mit dem Ausgang der Partie leben, auch wenn mir die Holländer ein wenig Leid taten. Zumal ich habe einige Holland-Fans in meinem engen Bekanntenkreis und in Salvador ein paar lustige Niederländer getroffen, die mich noch immer täglich mit den neuesten Louis-van-Gaal-Bildkreationen aus dem Netz versorgen. Gedanken an  den Elfmeter-Provokateur Krul  minderten das Mitgefühl aber wieder ein wenig.

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Da ich bereits das historische Halbfinale gegen Brasilien erleben durfte und nun – falls das Schicksal nicht eingreift – mein persönliches Wunsch-Finale zwischen Deutschland und Argentinien sehen werde, erschrak ich allerdings kurz, ob der vielen positiven Wendungen der letzten Wochen. Irgendwann gleicht sich im Leben ja immer alles aus, ich befürchtete einen hohen Preis für meine außergewöhnlichen Wochen in Brasilien.

Ziemlich schnell wandelte sich meine Gefühlslage aber in pure Vorfreude auf den wohl wichtigsten und ereignisreichsten Arbeitstag meines Lebens: WM-Finale. Deutschland gegen Argentinien. Maracana. Mehr. Geht. Nicht.

Vor einiger Zeit hatte ich ja  schon einmal über die WM-Ziele Brasiliens geschrieben: 2. Weltmeister werden. 1: Argentinien darf nicht Weltmeister werden. Aufgrund dessen bin ich mir ziemlich sicher, das akustisch imposanteste WM-Finale aller Zeiten sehen zu werden. Das Maracana wird eine Open-Air-Oper, die massenhaft anreisenden Argentinier werden das Stadion mit wunderschönen Liedern beschallen, der seit Mittwoch brasilianisch dominierte  Fan-Club-Nationalmannschaft seinen stimmungsvollen Höhepunkt erreichen. Ein Festival der Emotionen, an dessen Ende der WM-Pokal übergeben wird.

Vielleicht wird es danach den Fußball-Weltmeister Lukas Podolski geben. Und den Fußball-Weltmeister Benedikt Höwedes. Und den Fußball-Weltmeister Shkodran Mustafi.

Brasilien könnte damit sehr gut leben. Nur einen Fußball-Weltmeister Lionel Messi würden die Gastgeber Deutschland nie verzeihen.

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