Tag 29: Rolf

Es hatte zwar drei Wochen gedauert, aber am Samstag habe ich mich doch noch mit Rolf getroffen. Rolf kommt aus Köln, arbeitet für den WDR im Camp der deutschen Nationalmannschaft und hat mit mir gelegentlich auf der Jahnwiese gekickt. Der Hauptgrund für unsere lange geplante Verabredung war aber das FC-Blog-Buch meines Kollegen Christian Löer, das er mir für Rolf mitgegeben hatte, da es bei Rolfs Abreise aus Köln noch nicht erschienen war.

Rolf ist ohne Zweifel als FC-Fan zu bezeichnen, nicht zuletzt, da er an einem Container im deutschen Pressehotel die wohl größte FC-Fahne außerhalb Europas angebracht hat und so vor zwei Wochen eine beachtliche mediale Präsenz erreichte und auf der Facebook-Seite von Lukas Podolski fast 25 000 Likes erntete. So war Rolf sehr glücklich, als ich ihm endlich ein bisschen Heimatlektüre vorbeibrachte. Wir erzählten ein bisschen, als Rolf einfiel, dass am Abend wohl Fußball gespielt werde. Wo, wann und mit wem stand zwar noch nicht fest, aber ein paar Techniker, Cutter und sonstige Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten hatten sich mit ein paar Einheimischen lose verabredet. Irgendwann, irgendwo, irgendwie.

Ich sagte zu, und am Abend stand Rolf plötzlich abfahrbereit vor meiner Pousada. Uhrzeit, Platz und Teams waren noch immer unklar, aber in zwei Autos fuhren wir zur Fähre, setzten über und ließen uns überraschen. Auf der anderen Seite wurden wir abgeholt und zum Platz begleitet: Durch dunkle Straßen ging es hinauf in ein Dorf, in dem jedes zweite Haus eine Kirche unterschiedlichster Ausprägung zu sein schien. Nach wenigen Minuten erreichten wir aber den Sportplatz, ich war beeindruckt: Inmitten einer kleinen Arena mit winzigen Tribünen lag ein Sandplatz vor mir, auf dem sich einige Brasilianer schon einmal warmschossen.

la foto 1 (5)

Es wurden gemischte Mannschaften gewählt, dann ging es los: Ohne Schuhe, aber mit großem Spaß. Da Rolf in der Abwehr eine Mischung aus Matthias Sammer und Jürgen Kohler ist, ich einen meiner besseren Tage im Angriff erlebte und wir – vor allem – den spektakulärsten brasilianischen Fußballer nach Neymar in unserer Mannschaft hatten, feierten wir einen fulminanten Sieg. Der einsetzende und das Spielfeld glättende Regen hatte uns dabei eher nicht geschadet.

Auf dem Rückweg bot mir Rolf an, mich in der Nacht zum Flughafen nach Porto Seguro zu fahren. Mein Mietwagen hatte wenig Sprit, daran änderte auch die 1,5 Liter Flasche Benzin nichts, die ich mir am Straßenrand noch besorgt hatte.
Ohnehin hatte ich eine heikle Fahrt vor mir: Mein Flieger hob um 5.15 Uhr ab, die erste Fähre ging aber erst um vier Uhr in der Nacht. Ich nahm Rolfs Angebot dankend an und wir verabredeten uns für den nächtlichen Roadtrip ins 35 Kilometer entfernte Porto Seguro.

Es war ein großer Spaß, begleitet von einem hohen Puls. Die Fähre legte ein wenig zu spät ab, erst um 4.15 Uhr fuhren wir vom Anleger am anderen Ufer ab, um uns die von Bremshügel gepflasterte Strecke zum Flughafen zu stürzen. Zumindest hatten wir eine klare Aufteilung: Rolf gab Gas, ich versuchte die in Brasilien als „Stoßstangenbrecher“ bezeichneten Sprungschanzen frühzeitig zu erspähen.

Wir ergänzten uns gut: Um 4.45 Uhr erreichten wir den Flughafen. Ich checkte ein, passierte die Sicherheitskontrolle und spazierte sogleich – als einer der letzten Passagiere – durch in den Flieger. Dort hatte ich auf dem Weg nach Belo Horizonte Zeit, mich auf das vorzubereiten, was mich erwarten würde: Das Halbfinale Deutschland gegen Brasilien.

Ich bin Rolf sehr dankbar, dass ich den Flieger nicht verpasst hatte.

la foto 2 (6)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>