Tag 23: Stress und Strass

Ich habe ja an dieser Stelle schon mehrfach über Strapazen und Schlaflosigkeit geschrieben. Natürlich weiß ich aber, dass vor allem meine Freunde der Ansicht sind, dass ich hier wochenlangen bezahlten Urlaub verbringe und nebenbei sogar ein paar WM-Spiele schauen kann. Schon okay, ich bin mit den Vorurteilen mittlerweile ja bestens vertraut und bin ja auch weit davon entfernt, mich ansatzweise über irgendetwas zu beklagen. Natürlich ist es für mich neben all dem Stress eine unglaublich tolle Erfahrung, hier sein zu können. Die WM in Brasilien kombiniert zwei meiner großen Leidenschaften: Fußball und Südamerika. Dass mir das viele Reisen, das nächtliche Arbeiten und die Hatz von Flughafen zu Fähre oder andersrum ab und an aber vielleicht doch mehr zusetzt, als meine Freunde denken und ich mit selbst zugestehe, habe ich am Samstag erfahren.

Nach der im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz mit Joachim Löw bekam ich einen Screenshot zugeschickt. Die Kamera hatte zu den Journalisten geschwenkt und mich ins Bild gerückt. In diesem Moment hatte ein Kumpel den Bildschirm abfotografiert und mir so einen Eindruck meiner selbst beschert. Schon der Name der Mail an mich verdutzte mich: „Nicht so traurig..!“ stand im Betreff. Ich öffnete das Foto und war in der Tat ein wenig verdutzt, ob meines ermatteten und – ja, traurigen – Gesichtsausdrucks. Ich hatte noch nie zuvor solche eine Leere in meinem Blick gesehen.

la foto

 

Es ist zwar nur eine Momentaufnahme, ein wenig aussagekräftiger Sekundenbruchteil, doch ich habe mir danach etwas Ruhe verordnet.Das Ende der WM ist zwar absehbar, aber noch sind es zwei Wochen und vier Spiele. Am Montag fliege ich erstmals mit dem offiziellen Gruppenangebot zum DFB-Spiel. Morgens hin, nach der Partie zurück. Gute Sache, Porto Alegre ist schon weit weg, knapp 2000 Kilometer immerhin. Noch dazu liegen nur drei Tage zwischen dem USA- und dem Algerien-Spiel.

Vielleicht vermittelte die Kamera auch einen falschen Eindruck und filmte mich auf der Pressekonferenz in dem Moment, in dem ich mir das T-Shirt des Bundestrainers anschaute. Joachim Löw ist ja nun wirklich ein ausgesprochen stilvoller und stilbewusster Typ. Seine Outfits sind legendär und teilweise sensationell. Nicht einmal im Regen von Fortaleza setzte er eine schützende Kappe auf – Stilbrüche sind für den Bundestrainer wahrscheinlich noch schlimmer als Gegentore. Manche Medien kürten ihn deshalb zum Sieger im „Wet-T-Shirt-Contest“ mit dem Mütze tragenden Jürgen Klinsmann.

Am Samstag aber trat Löw in einem weißen Shirt mit albernem, überdimensionalem Strass-Wappen auf die Bühne. Er funkelte silbern im Licht der auf ihn gerichteten Scheinwerfer und sah nach schlimmer Dieter-Bohlen-Kleidung aus. Oder nach Slawomir Peszko in Las Vegas. Das Shirt verwirrte das Publikum so sehr, dass ein Journalist nach der Pressekonferenz zu Löw eilte und ihn fragte, ob es überhaupt vom offiziellen Ausrüster stamme. So wichtig war mir die Kleidung des Bundestrainers dann aber auch wieder nicht. Außerdem hatte ich Besseres zu tun: Schlafen.

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