Tag 18: King of Mexico

Die WM hat einen neuen Helden. Nicht Neymar, das Gürteltiermaskottchen oder Sepp Blatter. Es ist „die Laus“: Miguel Herrera, Mexikanischer Nationaltrainer, 1,68 Meter pures Dynamit. Statt „die Laus“ hätte man Herrera „den Vulkan“ oder einfach „den Doug“ nennen sollen. Mit seiner massigen Statur und dem halslosen Übergang zwischen Oberkörper und Kopf sieht er aus, wie eine mexikanische Version des „King-of-Queens“-Stars Doug Heffernan. Der wiederum aussieht, wie sein Serien-Cousin, der KSC-Trainer Markus Kauczinski verblüffend ähnelt. Den Foto-Beweis gibt’s bei Google. Wobei natürlich keiner seiner Zwillinge mit einem solch edlen Haupthaar gesegnet ist.

Herrera ist aber natürlich nicht mein persönlicher WM-Star, weil er die Latino-Version eines deutschen Zweitliga-Trainers ist.  Der Mexikaner jubelt über Tore, als gäbe es kein Morgen mehr. Zwar ist die WM ein unfassbares Ereignis für alle Fußballer, aber wie hat sich Herrera bloß bei seiner Hochzeit oder – wenn er welche hat – bei der Geburt seiner Kinder gefreut?

Nach dem 2:0 hat er ein Gesichtstheater aufgeführt was vielfältiger, mitreißender und faszinierender war, als jedes Spiel dieser WM. Als sein Gesicht wieder menschliche Züge angenommen hatte, wurde er American-Football-mäßig von seinem Spieler Paul Aguilar ‚gesackt‘ – also getackelt –  und über den Rasen gerollt. Ich würde gern mal sehen, wie Lukas Podolski im Jubelrausch Joachim Löw abräumt und mit ihm über den Rasen rollt. Wohl nicht bloß Outfit-technisch unvorstellbar für den Bundestrainer.

Leider wird es nicht mehr viele Jubelbilder von Herrera geben, da es seit 1994 ein geheimes Fifa-Gesetz gibt, wonach Mexiko bei jeder Weltmeisterschaft im Achtelfinale ausscheiden muss. Auch hier: Den Beweis gibt’s bei Google. Das ist schade, ich hätte gern weitere Torjubel der Mannschaft gesehen: Herrera wird von den Spielern in die Zuschauer geworfen; Herrera schießt vor lauter Glückseligkeit wie eine Rakete in die Luft; Herrera reißt sich den zu großen Anzug vom Leib und entblößt sein Superman-Kostüm.

Durch seine Vorfahren muss einst die Floskel „vor Freude platzen“ entstanden sein. Ich traue es ihm zu, es besorgt mich auch ein wenig.

Noch  größer ist aber die Sorge vor dem Achtelfinal-Aus der Mexikaner, obwohl es ja schon fest steht. Wie sehr muss ein Mensch wohl leiden können, der zu solchen Jubelausbrüchen fähig ist?

Die Fifa sollte die internen Regeln brechen, und Mexiko auch einmal ins Viertelfinale lassen.

Außerdem sind Herreras Gesichter noch spektakulärer, als Robbens Tore.

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