Tag 17: Frodo! Oder auch nicht..

Zurück in Santo André. Ich habe die nächtliche Rückreise gut überstanden, auch wenn ich nur drei Stunden geschlafen habe. Wenn ich hier in Brasilien zwischen Flughäfen und Fähren umherreise, muss ich manchmal an Frodo und Herr der Ringe denken. Nicht etwa, weil es hier so gefährlich ist, sondern aus Sorge um meine Fifa-Akkreditierung. Sie ist sozusagen mein Schatz. Das passt ganz gut, weil das Ding auch unentwegt um meinen Hals baumelt. Aus gutem Grund: Viele erfahrenere Kollegen – um das Wort ältere zu vermeiden – haben mich vor dem Turnier eindringlich gewarnt: „Du darfst alles verlieren. Deinen Laptop, dein Handy, Klamotten. Aber verliere niemals, und wirklich niemals, deine Fifa-Akkreditierung.“

Bislang ist alles gut gegangen. Wobei ich gerade befürchte, darüber zu schreiben, könnte sich negativ darauf auswirken. Schon nach zwei Wochen Paranoid. Ich sag’s ja: Herr der Ringe, beziehungsweise Herr der Akkreditierung.

Dabei finde ich es eigentlich ziemlich unangenehm, in einem Land, das von der Fifa in eine tiefe Krise gestürzt wurde, unentwegt mit dem Fifa-Logo herumzulaufen.  Ich habe auch manchmal das Gefühl, deshalb ein paar böse Blicke auf mich zu ziehen. Und nochmal: Das Ding macht Paranoid.

Aber es öffnet mir eben auch die Türen in die Stadien – und ich bin nunmal zum Arbeiten hier – , die für die meisten Menschen leider für immer verschlossen bleiben werden. Oder, das ist der andere Fall, niemals besichtigt werden wollen. In Fortaleza beispielsweise gibt es einen Zweit- und einen Drittligisten. Kein Mensch braucht die Arena dort, da ein großes Stadion ohne Zuschauer niemals stimmungsvoller ist, als ein kleiner Hexenkessel. 1860 München kennt sich in der Thematik aus.

Naja, sollte ich die Akkreditierung bis zum Turnierende behalten, werde ich sie trotzdem nicht verbrennen. Es war ein großer Moment für mich, den Ausweis abzuholen. Seit diesem Augenblick war ich wirklich dabei, bei dieser Weltmeisterschaft.

Ein Ziel, ein Traum, lange Unvorstellbar, noch immer irgendwie surreal. Darum bin ich trotz des vielen Stresses, einigen Momenten nah an der Verzweiflung und des geringen Schlafvolumens  sehr glücklich, hier zu sein. Und voller Vorfreude, den Weg bis zum Finale nach Rio weiterzugehen.

Damit verabschiede ich mich auch schon wieder vom Frodo-Herr-der-Ringe-Vergleich. Er hinkt. Das Maracana mit Mordor zu vergleichen, ist purer Frevel.

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