Tag 16: Portugisien

Ein Mann in der Hotellobby schläft mit offenem Mund auf einem Hocker. Sein Strohhut ist auf den Boden gefallen, sein Caipirinha-Glas droht aus seiner auf die Beine gelegten Hand zu entgleiten. Neben ihm sitzt sein Kumpel und liest die Paarungen am Sonntag vor. Er versucht es zumindest, stockt immer wieder und bringt dann aber doch hervor: USA gegen Portugisien.

Ich bin zu müde, um mich länger mit den beiden zu befassen. Unterlassene Hilfeleistung? Schuldig! Aber Fortaleza hat mich am Samstag besiegt. Darum beruhigt es mich, dass andere Menschen noch ganz andere Zustände erreicht haben, als mit kalten Schauern kombinierte Müdigkeit. Es gibt eigentlich kaum etwas, das ich lieber mag als Sonne, Strand und Meer. Aber in Fortaleza war es mir am Samstag zu heiß.  Ich bin vor dem Spiel noch in der prallen Sonne um das Stadion herumgelaufen, auf dem Heimweg habe ich die Quittung dafür bekommen. Ich bin im Shuttle-Bus, der das Stadion mit der Promenade verbindet, eingeschlafen. Die Mischung aus akutem Schlafmangel, viel Arbeit und noch mehr Sonne hat mich unmittelbar nach dem Einsteigen in den dunklen Bus in einen beachtlich tiefen Sommerschlaf versetzt. Jedenfalls bin ich irgendwann aufgeschreckt und der Bus war leer. Wir tourten durch Fortaleza und ich redete mir ein, auf dem richtigen Weg zu sein. Da wir aber pausenlos abbogen, es dunkel war und ich nun schon anscheinend mehr als eine Stunde für den halbstündigen Heimweg benötigte, stand ich auf und ging nach vorn. Als ich den Fahrer ansprach, wären wir beinahe auf der Gegenfahrbahn gelandet. Er schaute mich an wie einen Außerirdischen, wie ich da auf einmal aus dem fahrenden Bus auftauchte. Nach einem kurzem Gespräch – wieder einmal war ich sehr glücklich, zumindest spanisch zu sprechen, hatten wir die Fakten sortiert: Ich hatte die Haltestelle verschlafen und nun warne wir auf dem Weg zum Busbahnhof. Auf meine schläfrige aber doch nervöse Anfrage, wie weit wir denn vom Hotel entfernt seien, da ich um 3.10 Uhr in der Nacht meinen Flieger bekommen müsse, lenkte er ein wahrsten Sinne des Wortes ein. Wir kurvten ein wenig durch Fortaleza, bis er mich an der Promenade absetzte.

Nun sitze ich hier- der Akku ist wieder halbwegs aufgeladen – lausche brasilianischer Volksmusik und schreibe. Es wird eine lange Nacht. Um 3.10 Uhr fliege ich nach – ach, nee – Sao Paulo. Von da aus nach   mehrstündiger Wartezeit nach Porto Seguro, wo ich meinen Leihwagen hoffentlich mit aufgepumpten Reifen vorwinden werde. Nach 35 Kilometern geht es dann auf die Fähre, bis ich um circa 16 Uhr brasilianischer Zeit  in Santo André ankommen werde.

Das wäre schön, denn dann spielt der nächste deutsche Gruppengegner USA. Gegen Portugisien.

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