Tag 14: Nummer 7 lebt.

Der siebte Flug meiner Reise stellte sich als bislang eindrucksvollster heraus. Ich hatte zuvor den üblichen Weg von Santo André nach Porto Seguro genommen, Fähre und Bremshügel hinter mir gelassen und war auf dem Weg ins nördlich gelegene Fortaleza erst einmal zwei Stunden ins südlich gelegene Sao Paulo geflogen. In Brasilien führt grundsätzlich jeder Flug erst einmal über Sao Paulo. Phänomenal. Ich glaube, man muss sogar in Sao Paulo umsteigen, wenn man vom jeweils anderen der beiden Flughäfen in Sao Paulo losfliegt. In der Mega-City kann es eigentlich keine Wohnung geben, die nicht inmitten einer Einflugschneise liegt. Zumal neben den Tausenden Flugzeugen ja auch noch Hunderte Hubschrauber durch den Himmel kreuzen, die Geschäftsleute zu Terminen fliegen, da sie Angst im Straßenverkehr haben, reich genug sind, sich die Staus zu ersparen oder einfach gern Hubschrauber fliegen. Es herrscht jedenfalls ein Durcheinander im Luftraum wie im Film „Das fünfte Element“, nur dass es noch keine fliegenden Autos gibt.

Ich betrat also von Norden kommend der Flieger in Richtung Norden und bestaunte meine Mitreisenden: Ich saß inmitten einer Gruppe Ghanaer, die ebenfalls zum Spiel nach Fortaleza flogen. Dahinter hockte glücklich, aber erschöpft eine Vielzahl Uruguayer, die in Landesfahnen gehüllt und geschminkt den Sieg gegen England gesehen hatten. Verstreut im Flieger waren auch einige betrunkene Engländer, ein das ganze Flugzeug unterhaltender Südafrikaner, und zwei Australier, die das Ausscheiden ihres Landes ohne Alkohol verarbeiteten und sich einfach auf das Spiel Deutschland gegen Ghana freuten.

Die afrikanische Delegation um mich herum war sehr zuversichtlich und siegessicher. Meine beiden Sitznachbarn erklärten mir, dass Deutschland schon beim letzten Sieg gegen Ghana doch sehr viel Glück gehabt habe und jetzt einfach fällig sei. Allerdings war ich ein wenig abgelenkt, da mich das Auftreten der Gruppe faszinierte. Jeder von ihnen trug ein schwarzes Sakko, eine schwarze Sonnenbrille und verschiedene Modelle goldener Uhren, die alle in etwa so groß waren wie der Boden eines Weißbierglases.

Wenn die ghanaischen Spieler der Nationalmannschaft genauso selbstbewusst entgegen treten, könnte es wirklich weitaus schwieriger werden als gegen Portugal.

Andererseits hat sie am Donnerstag mal wieder ihre Ausnahmestellung gezeigt, als sie von Porto Seguro nach Fortaleza geflogen ist. Direkt. Ohne Umwege. Ohne Stop in Sao Paulo.

Chapeau.

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