Tag 11: Die Höhner rocken am Zuckerhut

Ich saß nach der furiosen Müller-Gala noch im Presseraum und schrieb, als plötzlich ein Mann neben mir auftauchte, mich anstarrte und hemmungslos losheulte. Einigermaßen irritiert
unterbrach ich meine Arbeit und fragte, ob ich etwas für ihn tun konnte. Ich vermutete, es handele sich um einen schwer enttäuschten portugiesischen Kollegen, nachdem ich an gleicher Stelle ja schon spanische Tränen gesehen habe. Doch ich lag falsch. Der Mann Mitte 40 war Rumäne. Das konnte ich auf seiner Akkreditierung lesen, die um seinen Hals baumelte, während er schluchzte. Als er sich irgendwann einigermaßen gefasst hatte und wir ihn besorgt fragten, was denn passiert sei, stammelte er etwas Unverständliches und zeigte auf einen kleinen Laptop, der am Platz neben mir lag. “Oh God, this is all my life”, sagte er und drückte ihn fest an sich. Das war passiert: Berauscht vom deutschen Spiel hatte er die Arena verlassen, war ins Hotel gefahren, wo er seine Familie anrufen und vom spektakulären Müller erzählen wollte. Als er seine Tasche öffnete, fand er viele Kabel und einige bekritzelte Zettel. Nur der Laptop fehlte. Panisch war er zurück zur Arena gefahren. Dann vom Taxistand bis zum Presseraum gelaufen, wo er seinen Laptop unberührt auf dem Platz neben mir vorfand – und vor Erleichterung einen Heulkrampf bekam.

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Wir schafften, es ihn einigermaßen zu beruhigen. Jeder der Kollegen war überzeugt, dass der Verlust des Laptops während einer WM verheerend sei. Vor allem, wenn man ihn einfach vergisst und so somit seinen gesamten Datenspeicher auf Null reduziert.
Aber der rumänische Kollege hatte ja noch einmal Glück gehabt und verließ die Arena glücklicher, als etwa Thomas Müller. Der neue alte deutsche Wunderspieler hatte seiner Gala einen witzigen Auftritt folgen lassen, und unter anderem seine Tore als “eins schöner als das andere” beschrieben. Die ausländischen Kollegen waren begeistert, ich glaube sie verehren Thomas Müller, der seine Karriere wohl als viermaliger WM-Torschützenkönig beenden wird.

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Als ich meinen Artikel in die Redaktion geschickt hatte, fuhr auch nach Hause. Mit meinem Laptop. Ich legte ihn in mein Zimmer und fuhr zu einer großen Hotel-Anlage, in die mich ein bekannter aus Köln eingeladen hatte, der mit einer deutschen Reisegruppe nach Salvador geflogen war.
Als ich ankam erlebte ich die verdutzten Momente zwei und drei an diesem Tag. #2 erfolgte, weil auf der Fußball-WM-Brasilien-Reise kein Fußball und schon gar keine WM gezeigt wurde. Auf der großen Bühne sangen dafür -Moment  #3 – die Höhner im Duett mit Reiner Calmund.

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