Tag 1: Herman Suarez Torres

Nun also Rio de Janeiro. Meine Lieblingsstadt neben Buenos Aires bildet den Anfang meines rund fünfwöchigen Trips quer durch Brasilien. Rio ist mein persönlicher Startpunkt der WM 2014 und ebenso das Ziel meiner beruflichen Reise: 13. Juli, Maracana, Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014.

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Es ist ein langer Weg bis dorthin. Auch für die Journalisten. In der Vorrunde führt er über das deutsche Camp nahe der Stadt Porto Seguro nach Salvador, Recife und Fortaleza. Im Norden wird es deutlich heißer als im winterlichen, 25 Grad kalten Rio. Es wird hier momentan früh dunkel, mit der Sonne verlässt auch die Wärme die Stadt, die noch nicht wirklich im WM-Taumel angekommen ist. Ich stelle kaum einen Unterschied zu meinem letzten Aufenthalt im Januar 2013 fest, bis auf ein paar lieblos an Laternen geklammerten Pappschilder, die die Bevölkerung aufdringlich zum Genießen der WM auffordert.

Kein einfacher Vorgang. Man spürt die Ablehnung in der Bevölkerung gegen die Fifa, das Turnier und die Regierung. An der Strandpromenade von Ipanema treffe ich einen kolumbianischen WM-Mützen-Verkäufer, dessen Name weitaus spektakulärer ist als seine grüngelben Tingeltangel-Kappen: Herman Suarez Torres. Poesie in drei Wörtern. Die Namen von gleich zwei der weltbesten Stürmer und einem antiken Heroen hätte eigentlich ausreichen sollen, um für die kolumbianische Nationalmannschaft nominiert zu werden, zumal Falcao ja verletzt ist.

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Naja. Vom Nationaltrainer ignoriert spult Suarez Torres seine Meter trotz des klangvollen Namens nun am Strand und nicht auf dem Rasen ab – womit er aber eigentlich sehr zufriednen war. Bis er in Rio ankam. “Hier ist nichts los, unglaublich”, sagt er. “In einer Woche beginnt die WM, aber in Bogota war die Vorfreude größer.” Dazu man aber auch wissen, dass die kolumbianische Nationalmannschaft mit einem Festakt irgendwo zwischen Festival und Nationalfeiertag ins Nachbarland verabschiedet wurde.

In der Tat sind die Cafés und Bars nur spärlich gefüllt und eher pflichtbewusst als liebevoll mit einigen Brasilien-Fähnchen dekoriert. Auch die Strände kaum besucht, was aber wohl am brasilianischen Wintereinbruch liegt: 25 bis 30 Grad am Tag, 10 bis 15 in der Nacht. Dass der Vorwinter tagsüber die gleichen Temperaturen erreicht wie der deutsche Hochsommer, spielt für die Hitze gewöhnten Cariocas, wie die Bewohner Rios genannt werden, keine große Rolle.

Im Gegensatz zu Suarez Torres, der sich nach Anbruch der Dunkelheit einen Vollpulli anzieht und schlotternd seine Hüte auf einem Handtuch ausbreitet, werden sich die Spieler über das Klima freuen. In Rio, Sao Paulo und vor allem im südliche gelegenen Porto Alegre wird es nicht wärmer als beim Turnier 2006 in Deutschland, das trotz Temperaturen von bis zu 40 Grad nicht unbedingt als Tropen-WM in Erinnerung geblieben ist.

Damals hat Italien den Titel geholt. Vielleicht, weil sie sich damals genauso vorbereitet haben wie nun auf das Turnier in Brasilien: Mit Training in der Sauna.

Auf diese Vorbereitungs-Vorteile kann ich nicht zurückgreifen. Aber wenn ich Italien am 13. Juli hier wieder treffe, weiß ich zumindest, wieso.

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